Logo Brights


Wer wir sind

Worauf es uns ankommt

Aktivitäten

Neugierig geworden?

Materialien

Kurzbericht

2008-04-20 Mühlheim, Schmidt-Salomon, Helge Nyncke, Ferkelbuch-Lesung mit anschliesender Podiumsdiskussion

Auch wenn die "Lesung" (20.4., Mühlheim) mitgefilmt wurde und wohl demnächst im Internet veröffentlicht werden wird, möchte ich den Nicht-Dabei-Gewesenen meine kurze, subjektive Zusammenfassung zukommen lassen.

Der Abend begann mit der ca. 30 minütigen "Lesung" des Ferkel-Buches. Per Beamer wurden die Seiten aus dem Buch auf eine große Leinwand projiziert. Helge gab Ferkel und Igel zwei unverwechselbare Stimmen und garnierte manche Szene mit passenden Hintergrundgeräuschen, die über die sehr gute Soundanlage authentisch rüber kamen. Michael übernahm den Erzähler und die anderen Rollen, Fuchs, Rabbi, Bischof, Imam, die stimmlich jedoch nur schwer unterscheidbar waren (da muss der Michael noch etwas üben ;-) ).

Auch für Kinder (leider nur 1 Kind anfänglich anwesend) wäre diese Märchen-Halb-Stunde sicher interessant und lustig gewesen. Kindheitserinnerungen wurden wach. Obwohl ich das Buch ja längst kannte, wurde mir doch noch der eine oder andere Aspekt deutlicher. Eine geradezu meditatives Erlebnis.

Anschließend ging es gleich in die Diskussion. Dort wurden im wesentlichen die bekannten Argumente ausgetauscht. Der Pfarrer "weichspülte" die christliche Religion, Michael warb für einen unversperrten Blick auf die Konsequenzen unaufgeklärten "Glaubens", Helge wies auf die Notwendigkeit hin, das Buch aus Sicht eines Kindes zu sehen und der Literaturwissenschaftler gab in arg knappen Sätzen allgemein bekannte "Weisheiten" wieder.

In die Diskussion wurden das sehr aktive Publikum stark eingebunden. Die Fragen waren fundiert, kamen ausgewogen aus verschiedenen weltanschaulichen Richtungen und wurden häufig mit Applaus bedacht. Einige Fragen blieben aber leider doch unbearbeitet. Da war der Moderator, der mir leider zu sehr als "Kommentator" agierte, nicht aufmerksam genug. Eine kurze Einspielung eines Interviews mit Henryk M. Broder lockerte die Runde zusätzlich auf.

Musikalisch und emotionaler Höhepunkt des Abends war dann Helges Interpretation von John Lennons "Imagine" in der Ferkel-Variante. Helge sang am Klavier "zweistimmig" den Original-Text, vom "Ferkel" direkt übersetzt. Berührend.

Nach gut zwei Stunden war der offizielle Teil beendet. An den Tischen, in den Gängen und am Bücherstand wurde im kleinen Kreis weiterdiskutiert bis uns gegen 23:00 Uhr der Wirt, höflich aber bestimmt, vor die Tür setzte. Einige hart gesottenen debattierten auch im Freien noch weiter, bis mich die Kälte zur Heimreise drängte.

Die geäußerte Kritik, das Ferkelbuch würde polarisieren statt zu verbinden, zeigte in den Diskussionen ein anderes Bild: die Gläubigen begannen die eigene "Weichfilterheit" zu spüren, allen wurde die Gefahr des (eigenen) Fanatismus bewusst und es wurde offen miteinander geredet, toll. Wer Gelegenheit hat in München dabei zu sein, es ist zwar ein Kinderbuch, aber es wird dort sicher auch ein lustiger, informativer, emotionaler, anregender, aufklärender Abend.

Thomas Wessely