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Kurzbericht

2007-11-09 Teilnahme am Vortrag "Der säkulare Verfassungsstaat und der Absolutheitsanspruch des Glaubens" 

Vortrag von Dr. Böhle im Rahmen der Vortragsreihe "Das Fundament einer humanen Gesellschaft" in Rödermark

Dr. Böhle thematisierte in einem historischen Rückblick den Absolutheitsanspruch der Religionen (mit dem Schwerpunkt Christentum, Judentum, Islam) und die damit verbundene Gefahr von Beliebigkeit und Willkür. Der säkulare Staat setzt seine Position auch absolut, jedoch durch "kritisches Bedenken des Sachgehaltes". Der Glaube "meint" nur er sei absolut. Und man müsse deutlich machen, dass das, weswegen Moslems in einen "säkularen Staat" gekommen sind (Wohlstand, Recht auf körperliche Unversehrtheit, sein Leben nach eigenen Vorstellungen leben zu können, ...), in Gefahr gerät, wenn man z. B. die Scharia einführen würde.

Das Publikum, sicherlich mehrheitlich christlich geprägt, merkte sich offensichtlich nur Beispiele, die gegen den Islam gerichtet waren (trotz Hinweis von Dr. Böhle auf Ketzerkriege, Kreuzzüge, Inquisition, "Hinschlachtung Andersdenkender aus religiösen Gründen", ...). In der anschliesenden Fragerunde bat ich um eine Erläuterung Dr. Böhles Satz "Das Christentum haben wir im Griff". Denn einer meiner Bekannten war gezwungen in die Kirche einzutreten um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren, nachdem der Träger des Heims für schwererziehbare Kinder an dem er beschäftigt ist, wechselte. Was ein klarer Verstoß gegen Artikel 4 (Religionsfreiheit) unseres Grundgesetzes darstellt. Eine Teilnehmerin drängte mich daraufhin, sichtlich erregt, ich möge doch zum Islam übertreten (es gelang mir nicht, eine Erläuterung dieses Zusammenhangs von ihr zu bekommen). Auch wurde gefordert, dass islamische Gruppen das Grundgesetz und die Menschenrechte anerkennen müssen. Meine Zustimmung zu dieser Forderung, mit der Ergänzung, dass der Vatikan als einziges europäisches Land die europäische Menschenrechtskonvention noch immer nicht ratifiziert hat, brachte mir dann den Vorwurf der "Hetze" ein.

Trotz der überraschend emotionalen Fragerunde, die von Dr. Böhle aber sehr professionell "abgefedert" wurde, ein sehr informativer Abend, der auch die Verwechslung der "Werte der Aufklärung" mit den "christlichen Werten" deutlich werden ließ (auch wenn den meisten Teilnehmern dies noch nicht so richtig bewußt ist und sie sich lieber auf den Islam fokussiert haben. Da ist Dr. Böhle wohl nicht deutlich genug gewesen.).

Thomas Wessely